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Die Ökonomie muss sich auf ihren Ursprung besinnen

Das Unternehmen Vitalis Dr. Joseph verkörpert eindrucksvoll die erfolgreiche Verbindung von Ökonomie und Ökologie. Mit Josef Franz, dem Gründer des Südtiroler Produzenten erlesener Hightech-Naturkosmetik, sprechen wir über seine unternehmerische Idee und warum der Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie ein großes Missverständnis ist.

Auszug aus einem im Print-Newsletter „Mein Unternehmen“ (8/2019) publizierten  Gespräch mit Dr. Joseph Franz, Gründer des Naturkosmetikproduzenten Vitalis Dr. Joseph. Das „Mein Unternehmen Abo finden Sie hier.

Dr. Josef Franz, Gründer des Naturkosmetikproduzenten Vitalis Dr. Joseph mit Hauptsitz in Bruneck (I), gemeinsam mit seinen Kindern Viktor, Lena und Fabian (v.l.n.r.).

Sehr geehrter Herr Dr. Franz, Ihr Unternehmen Vitalis Dr. Joseph ist seit vielen Jahren erfolgreich in der Herstellung und dem Verkauf von Hautpflege- und Kosmetikprodukten und wird mittlerweile von Ihren Söhnen in zweiter Generation geführt. Welche unternehmerische Idee steckt hinter Vitalis Dr. Joseph?

Die Idee ein Unternehmen zu gründen, ist aus einer inneren Überzeugung entstanden, die sich bei mir im Laufe der Jahre aus einer Summe unterschiedlicher Lebenserfahrungen und einem starken Bezug zur Natur entwickelt hat. Der erste Umstand, der meinen späteren Werdegang stark beeinflusste, war der Familienmix, dem ich entstammte. Mein Vater betrieb eine Weberei und produzierte und verkaufte hochwertige Textilien. Mütterlicherseits öffnete sich mir die Welt der Medizin. Ich wuchs mitten in der Natur auf und all diese verschiedenen Einflüsse, aus an sich nicht allzu kompatiblen Welten, haben mich stark geprägt. Ich habe mich dann für ein Wirtschaftsstudium entschieden. Schließlich führte mich ein Sportunfall nach meinem Studium wieder zu meinem Ursprung, der Natur, zurück.

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Als Unternehmen sind wir überzeugt davon, dass wir mit dem intelligentesten Labor der Welt zusammenarbeiten können – der Natur. Wir entnehmen unsere Wirkstoffsynergien aus dieser Welt, überprüfen sie in vivo oder/und in vitro, und erfüllen damit höchste Qualitätsanforderungen unserer Kunden. Wir veredeln ein Naturprodukt mit einer Kombination aus Erfahrung, Wissen und modernster Technologie, was uns in dieser Form einzigartig macht.

Das Ergebnis sind holistisch konzipierte, harmonische Produkte, die speziell auf die Hautbedürfnisse abgestimmt sind. Zudem wird das Produkt mit ganzheitlichen Behandlungskonzepten in unserer Academy oder vor Ort bei unseren Kunden geschult.

Das Interdisziplinäre, die Neugier und der starke Bezug zur Natur prägen auch heute noch unsere Unternehmenskultur. Diesen Horizont habe ich auch meinen Kinder, die im Unternehmen bereits seit Jahren leitende Funktionen übernehmen, sowie auch unserem super eingespielten Mitarbeiterteam stets zu vermitteln versucht. Und es scheint mir gut gelungen zu sein.

Umweltbewusstsein und nachhaltiges Denken sind zwei zentrale Aspekte, welche die Philosophie und Kultur von Vitalis Dr. Joseph prägen. Für viele stehen ökologische Prinzipien und Ökonomie eigentlich im Widerspruch zueinander. Sehen Sie das auch so oder sehen Sie eine Verbindung zwischen diesen zwei Gegenpolen?

Für mich sind Ökonomie und Ökologie keine Gegenpole, im Gegenteil. Es ist schlichtweg eine Brücke zu schlagen von den ureigensten ökonomischen Prinzipien hin zur Ökologie. Ich behaupte, es gäbe kaum Gegensätze, wenn die Wirtschaftstreibenden in ehrlicher Art und Weise nach den ureigenen Prinzipien der Ökonomie handeln würden.

Für mich kommt dieses Missverständnis der Gegenpole aus den 60er und 80er Jahren und der Art und Weise, wie damals gewirtschaftet wurde. Das ausgerufene Ziel der kapitalistischen Welt war die kontinuierliche Steigerung des Bruttosozialproduktes ohne jegliche Rücksicht auf das Umfeld und die Umwelt. Sämtliche Strömungen, die einen respektvollen Umgang mit Ressourcen und ein Denken in Kreisläufen forderten, wurden von zu vielen Entscheidungsträgern zum Staatsfeind deklariert. Erst im Nachhinein erkannte man die Folgen dieser monokausalen Auslegung des kapitalistischen Wirtschaftssystems, wo Regelkreise keine Bedeutung mehr haben.

Zugegeben, für einige Menschen führte es kurzfristig zu einer Steigerung der Lebensqualität. Langfristig jedoch, bezahlen wir und zukünftige Generationen für diese Art und Weise des „Wirtschaftens“. Trotz aller Bemühungen und auch ersten Schritten in die richtige Richtung, gibt es weiterhin Unternehmen und Entscheidungsträger, die den alten Kurs fahren – auch wenn sie es durch eine „intelligente Kommunikation“ nach außen teilweise zu verbergen wissen. Wenn Konzerne, nicht nur im Onlinehandel, in Volkswirtschaften einbrechen, Kaufkraft abschöpfen und dafür keinen bzw. sehr geringen Beitrag in Form von Steuern für die Gesellschaft leisten, dann ist das tödlich für jede Volkswirtschaft. Die größte Auswirkung ist die bereits eingetretene Klimakatastrophe, die sich nicht mehr schönreden lässt.

In diesem Zusammenhang vergleiche ich gern das mathematische Verständnis der Natur und jenes des Menschen. Wir Menschen rechnen gerne in arithmetischen Reihen, 1,2,3,4,… leicht überschaubar. Die Natur hingegen rechnet exponentiell. Als Beispiel die Zellteilung: 2, 4, 8, 16, 32 etc. In Bezug auf die Klimakatastrophe sind die aktuellen Entwicklungen deshalb sehr besorgniserregend. Die Zahlenreihe ist fortgeschritten und die Phänomene manifestieren sich sehr drastisch. Die Vorhersage der Entwicklungen im arithmetischen Verständnis trifft die wirklich zu erwartende rasante, exponentielle Entwicklung meiner Ansicht nach keineswegs.

Die Natur funktioniert in Regelkreisen und betätigt zur richtigen Zeit die richtigen Stellschrauben in ihrem vernetzten System, um exponentielles, also quantitatives Wachstum in qualitatives Wachstum überzuführen. Der Mensch hingegen respektiert diese Regelkreise nur selten und ebendieses Verhalten ist der fatale Missgriff einiger Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik. Die Realität zeigt, sollte sich der Mensch nicht an diese Regelkreise halten bzw. die notwendigen „Stellschrauben“ bewusst aushebeln, werden einige dieser Systeme schon morgen kippen – und mit der Natur kippt auch der Mensch. Diese Diskussion in der notwendigen Klarheit vermisse ich nach wie vor in der Politik, Wirtschaft und allzu oft in unserer Gesellschaft.

Die grundlegende Idee der Ökonomie ist eine ganz andere und in Einklang mit ökologischen Prinzipien. Würde also die Wirtschaft nach ihren ureigenen Prinzipien agieren, müssten wir heute keine Klimadiskussion und keine Ethik- und Moraldiskussion führen.

Hier nur einige Beispiele:

Das Prinzip des grenzenlosen Wachstums ist heute oft noch in den Köpfen der Menschen verankert. Dabei sagte schon David Ricardo im 18. Jh., gemäß dem Prinzip des abnehmenden Grenzertrags, dass Wachstum nicht grenzenlos sein kann. Der Gebrauchswert eines Gutes wird dadurch definiert, dass der Nutzen der zuletzt verzehrten Teilmenge ab einem bestimmten Punkt in einen Schaden übergeht, sprich Übersättigung. Die Natur berücksichtigt dieses Prinzip in ihren Regelkreisen und wandelt quantitatives in qualitatives Wachstum um.

Ein weiteres Beispiel ist das ökonomische Prinzip, nach welchem ein Ziel mit geringstem Mitteleinsatz erreicht werden soll. Wir machen aktuell das Gegenteil, unsere Wirtschaft ist teuer und verschwenderisch. Die Natur hingegen zeigt uns tausende technisch und ökonomisch wertvolle, perfekte Lösungen!

Oder denken wir an das Kostenverursacherprinzip. Dieses besagt, wer die Kosten verursacht, hat sie auch zu tragen. Was wir allerdings zurzeit erleben ist eine Wirtschaftspolitik, die Erträge internalisiert und die Kosten allzu gerne auf die Gesellschaft abwälzt.

Die Lösung klingt eigentlich einfach: eine Wirtschaft, die ihre eigenen ökonomischen Prinzipien ernstnimmt und nach ihnen handelt, handelt auch im Sinne der Ökologie.

Es ist dringend notwendig unsere Messgrößen des Erfolges zu überdenken. Anstatt die Stärke einer Volkswirtschaft über das Bruttosozialprodukt zu definieren, sollten wir das Ökosozialprodukt als Messgröße einführen. Denn dieses berücksichtigt auch die Wirkung erbrachter Leistungen auf die Umwelt mittels sogenannter Sozialindikatoren, wie z.B. Lebensqualität, Bildung oder Gesundheit.

Der Begriff Nachhaltigkeit wird bisweilen sehr inflationär in der Wirtschaft genutzt und interpretiert. Ist Nachhaltigkeit mittlerweile nur mehr ein Modebegriff? Was bedeutet für Sie bei Vitalis Dr. Joseph wirklich gelebte Nachhaltigkeit?

Eine nachhaltige Wertschöpfung ist unser aller Verantwortung. Für mich hat gelebte Nachhaltigkeit vier Aspekte:

  1. Eine starke und ausformulierte Vision, die Nachhaltigkeit beinhaltet. Und dies nicht aus marketingpolitischen Überlegungen, sondern als ehrliche Einstellung, als Mindset. Das bedeutet, beginnen in Kreislaufmodellen und vernetzten Systemen zu denken, sich den Folgen der eigenen Handlungen bewusst zu sein und entsprechend zu agieren, „Stellschrauben“ zu respektieren und das Wachstum auf Quantität zu hinterfragen.
  2. Saubere Technologien entwickeln. Entwicklungen erfolgen zu häufig unter Druck von außen. Effiziente, erfolgsversprechende, echte Innovationen hingegen entstehen häufig aus einem inneren Antrieb heraus, aus Überzeugung, aus einer Vision.
  3. Laufende Optimierung der Prozesse und Abläufe unter Berücksichtigung sämtlicher Einflussfaktoren, wie z.B. Emissionen, Respekt vor Biodiversität, der Fauna, dem Ressourcenverbrauch, den Mitarbeitern, usw. Es geht hier grundsätzlich um das richtige Bewusstsein und eine Denkweise, welche die Folgen unserer unternehmerischen Entscheidungen berücksichtigt, die sich auch auf andere Subsysteme auswirken können, zu hinterfragen.
  4. Produktverantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaft. Das beginnt bei der Rohstoffbeschaffung über den Produktions- und Logistikprozess bis hin zum Konsum oder der Entsorgung.

Als kleines Unternehmen versuchen wir dies zu leben, wobei auch unser Weg der Umsetzung noch lang sein wird. Einige Vorhaben konnten wir bereits in den letzten Jahren umsetzen. Beispielsweise beziehen wir unser Warmwasser vom Dach. Unser in Holzbauweise konzipiertes, energetisch optimiertes und prämiertes Betriebsgebäude steht inmitten unseres Versuchsgartens. Wir nutzen nachwachsende Rohstoffe und unterstützen diverse Projekte im Bereich Umwelt und Bildung, etc.

Unsere Grundidee ist folgende: Die faszinierende Genialität der Natur ist unser Vorbild. Daraus erwächst unser Verständnis von gelebter Nachhaltigkeit.

Seit einigen Jahren hat sich eine starke Bewegung formiert, die vermehrt philosophische Ansätze in der Wirtschaft fordert – Stichwort Ethik, Moral und verantwortungsvoller Umgang mit unseren Ressourcen. Ist unser kapitalistisches Wirtschaftssystem mit solchen Rufen und Ideen vereinbar? Erleben Sie in Ihrem unternehmerischen Alltag, dass sich etwas in dieser Hinsicht bewegt?

Grundsätzlich bevorzuge ich die soziale Marktwirtschaft, die nach ihren (ur)eigenen Prinzipien und dadurch in gegenseitigem Respekt mit ihrem Umfeld wirken. Davon sind wir überzeugt und auf diese Weise wollen wir unseren Beitrag leisten.

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Welchen Appell möchten Sie an Unternehmer/innen und Entscheidungsträger richten?

Mehr als ein Appell ist es ein Wunsch für uns alle, unsere Denkansätze und Visionen immer wieder zu hinterfragen und diese vermehrt an einem vernetzten Kreislaufdenken zu orientieren, anstatt an monokausalen Ursache-Wirkung-Prinzipien festzuhalten und unser Verhalten – auch wenn es und manchmal schwerfällt – an gewissen Rahmenbedingungen, den volkswirtschaftlich sinnvollen Stellschrauben auszurichten.

Jetzt ist mehr denn je der richtige Augenblick dafür!

Interviewpartner: Dr. Josef Franz, Gründer des Naturkosmetikproduzenten Vitalis Dr. Joseph mit Hauptsitz in Bruneck (I), gemeinsam mit seinen Kindern Viktor, Lena und Fabian. Seit 1986 entwickelt das Team von Vitalis Dr. Joseph erfolgreich innovative und einzigartige Produkte für Beauty, SPA und Wellness. Über 30-jährige Erfahrung, der Einsatz neuer Technologien im Einklang mit antikem Wissen garantieren sichtbaren Erfolg.

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