Weissman

Prioritäten setzen, Prioritäten setzen, Prioritäten setzen

Der Begriff Zeitmanagement wirft die Grundsatzfrage auf, ob man Zeit wirklich managen kann. Im Interview mit Lothar Seiwert sprechen wir darüber, worum es dabei wirklich geht und warum Effizienz immer vor Effektivität kommt.

Auszug aus einem im Print-Newsletter „Mein Unternehmen“ (6/2019) publizierten Interview mit Prof. Dr. Lothar Seiwert, Europas führendem Experten für Zeit- und Lebensmanagement. Das „Mein Unternehmen Abo finden Sie hier.

Sehr geehrter Herr Seiwert, kann man Zeit wirklich managen? Was sind für Sie die wichtigsten Aspekte im Umgang mit Zeit?

Man kann Zeit nicht managen, denn sie macht was sie will. Jede Sekunde auf unserer Lebensuhr tickt gnadenlos herunter, dessen müssen wir uns bewusst sein. Deshalb ist der Begriff Zeitmanagement im Grunde genommen falsch, aber er hat sich eben eingebürgert. Es geht vielmehr darum, wie wir mit unserer Zeit, aber auch mit der Zeit der anderen umgehen. Man kann nur sich selbst managen, nicht die Zeit. Der wichtigste Aspekt dabei ist Klarheit über die individuellen Prioritäten. Wenn jemand sagt: „Ich habe keine Zeit“, dann ist das eine Lebenslüge. Jeder von uns hat gleichviel Zeit. Was man mit dem Spruch eigentlich meint ist, dass man in diesem Moment für etwas keine Zeit hat, weil anderes wichtiger ist. Es gibt in unserer Welt keine Zeitprobleme, sondern nur Prioritätenprobleme. Der richtige Begriff wäre also „Prioritätenmanagement“. Vor allem als Unternehmer und Unternehmerin ist es wichtig, ganz klar zu wissen, wofür ich meine Zeit einsetze und wofür nicht. Geld kann man vermehren, wenn man erfolgreich wirtschaftet, Zeit aber nicht. Deshalb sage ich auch: die größte Ressource im Business ist nicht Geld, sondern Zeit.

Die neuen Generationen von Mitarbeitenden, Generation Z und Millenials, legen mehr Wert auf eine ausgewogene Mischung von Arbeit und Freizeit. Work Life Balance oder mittlerweile nur mehr Life Balance wird zu einem entscheidenden Kriterium für die Arbeitsplatzentscheidung. Was bedeutet diese Einstellung für die Unternehmenskultur und die Mitarbeiterführung in den Unternehmen?

Es hat definitiv ein Wertewandel eingesetzt. Vor den Generationen Y und Z standen mehr materialistische Werte im Vordergrund. Das hieß auch arbeiten am Abend und am Wochenende, vor allem auch als Unternehmer oder Manager. Die heute jüngeren Generationen haben wieder mehr hedonistische Werte, sie wollen das Leben genießen. Das wird sicherlich auch dadurch begünstigt, das bereits viel da ist und sie von einem gewissen Wohlstandslevel starten. Ich habe des Öfteren mit High Potentials für verschiedene Unternehmen gesprochen und gefragt was ihnen wichtig ist im Job. Viel Freizeit und eine ausgewogene Work-Life-Balance waren immer in den Top 3 Antworten.

Die Unternehmen haben also die Aufgabe, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen und sich so aufzustellen, diese Anforderungen der jungen High Potentials zu erfüllen. Die Führungskräfte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Dazu gehören Kleinigkeiten, wie z.B. keine (langen) Meetings mehr am Freitagnachmittag anzusetzen.

Wir müssen aber natürlich auch konstatieren, dass es heute Phänomene gibt, die es früher nicht gab: Arbeitsverdichtung und damit einhergehend das Bedürfnis nach ständiger Erreichbarkeit auf allen Kanälen. Je besser ich vernetzt bin, desto erreichbarer bin ich. Email, SMS, WhatsApp, Threema oder Facebook-Messenger-Dienste stellen sicher, dass ich jederzeit überall erreicht werden kann. Die Menschen werden geradezu „Social Media-getrieben“, es ist nie Feierabend. Dazu kommt eine fast schon unrealistische Erwartungshaltung, dass man in kürzester Zeit antwortet. Das macht natürlich was mit uns Menschen.

Wir leben also in dieser neuen dynamischen und komplexen Welt, in der sogenannten Dynaxity. (Kombination aus Dynamics und Complexity). Der Schnelle überholt den Langsamen. Alles wird komplexer und vielschichtiger. Das fordert schnelle Reaktionen und anderes Denken. Man muss überall auf allen Ebenen ständig erreichbar sein, um nicht der zweite zu sein. Das erzeugt natürlich Stress. Die neuen Generationen können damit grundsätzlich auch besser umgehen, aber Krankheitsbilder wie Hurry Sickness, Burnout oder gar Depression sind zu neuen typischen Erscheinungen unserer High-Speed-Gesellschaft geworden.

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Welche Tipps und Anregungen können Sie Entscheidungsträgern und Führungskräften für ihr persönliches Zeitmanagement mitgeben?

Prioritäten setzen, Prioritäten setzen, Prioritäten setzen. Die richtigen Dinge tun. Do the right Things oder noch besser: The One Thing. Mach nur diese eine Sache, aber mach sie richtig. Fokussieren Sie sich auf die Aufgaben, mit denen Sie die größte Wirkung für Ihr Unternehmen erzielen. Dazu müssen Sie sich jeden Tag neu für die richtigen Prioritäten entscheiden.

Ein zweiter Tipp, den ich gerne weitergebe, ist: Carpe Diem. Planen Sie Ihren Tag sorgfältig mit den richtigen Prioritäten. Die Planungszeit ist gut investiert.

Und abschließend noch: Haben Sie stets Ihr Big Picture, Ihre große Vision, Ihre Big Idea, vor Augen. Definieren Sie klar für sich und Ihr Unternehmen, wohin Sie wollen. Denn klare Ziele setzen hilft, Prioritäten richtig zu erkennen.

Interviewpartner: Prof. Dr. Lothar Seiwert, Certified Speaking Professional (CSP) und Global Speaking Fellow (GSF), ist seit über 30 Jahren Europas führender Experte für Zeit- und Lebensmanagement. Millionen Menschen weltweit haben ihn in seinen Vorträgen erlebt und sind durch seine Bestseller dazu inspiriert worden, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. www.Lothar-Seiwert.de

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