Weissman

Die Verfechterin der Frauenquote

Frauen im Topmanagement – im deutschsprachigen Raum nach wie vor eine Seltenheit. Constance Bräuning-Ast erzählt uns im Interview von ihren Erfahrungen als Personalberaterin und Vermittlerin von Executive und Interim Mandaten, warum wir schleunigst mit alten Geschlechterstereotypen aufräumen müssen und warum mehr Frauen in der Wirtschaft wichtig sind.

Auszug aus einem im Print-Newsletter „Mein Unternehmen“ (9/2019) publizierten  Gespräch Costance Bräuning-Ast, Personalberaterin, über die nach wie vor geringe Anzahl von Frauen in Spitzenpositionen. Das „Mein Unternehmen Abo finden Sie hier.

Sehr geehrte Frau Bräuning-Ast, Sie haben viele Jahre die Stuttgarter Personalberatung REM PLUS geleitet und haben heute Ihr eigenes Personalberatungsunternehmen. Welche Erfahrungen machen Sie in der Personalberatung in Bezug auf Frauen in Führungspositionen? Wie entwickelt sich einerseits die Nachfrage nach Frauen für Führungspositionen und wie erleben Sie andererseits die Bewerbungsquote von Frauen für Spitzenpositionen?

Kundenseitig sind meine Ansprechpartner meist männlich. Es sind Beiräte, Gesellschafter, Geschäftsführer, Unternehmer, Vorstände und Führungskräfte. Diese Positionen sind immer noch stark männlich besetzt. Von daher muss uns klar sein, dass meist Männer die zukünftigen Führungskräfte auswählen und somit auch verantwortlich sind, für den Anteil an Frauen in den Unternehmen.  Ich beobachte jedoch seit geraumer Zeit ein Umdenken bei meinen Ansprechpartnern. Wurde mir früher unverhohlen gesagt, dass man sich keine Frau in der gesuchten Vakanz vorstellen kann und das auch gar nicht in Frage käme, so ist heute eine neue Offenheit zu spüren, die auch artikuliert wird. Es ist immer mehr der Wunsch da, die Vakanz mit einer Frau zu besetzen. Die Mehrzahl hält es zumindest für möglich. Was die Bewerbungsquote an Frauen für Spitzenpositionen anbelangt, muss man realistisch sein. Das wird sich nicht über Nacht erhöhen. Wichtig ist aber und hier habe ich als Personalberaterin Möglichkeiten, explizit Frauen anzusprechen und zu ermuntern, sich zu bewerben bzw. „den Hut in den Ring zu werfen“.

Wenn allerdings mir ein Vorstand -wie kürzlich geschehen- erklärt, dass er gerne eine Frau in einer Spitzenposition eingestellt hätte, aber einfach keine passende dabei war, kann ich nur müde lächeln.

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Sie sind selbst erfolgreiche Unternehmerin und Managerin und haben für REM PLUS einen grossen Pool an Interim Managern aufgebaut. Wie gross war dabei der Frauenanteil? Gibt es Bereiche oder Situationen, für welche Frauen bevorzugt werden bzw. für welche Sie eine Frau empfehlen würden?

Was die Anzahl an Interim Managerinnen anbelangt beobachte ich auch hier in den letzten Jahren einen Anstieg. Da prinzipiell die Anzahl der Interim Manager steigt befürchte ich allerdings, dass prozentual sich so schnell nichts ändern wird. Als ich im Juli 2010 bei der REM PLUS begann hatten wir einen Pool von knapp 300 Interim Manager, die überwiegend männlich und jenseits der Altersgrenze von 60 Jahren waren. Das heißt, aktiv waren damals tatsächlich nur ca. 150 Interim Manager, davon ca. 10 weibliche. Bedeutet, am aktiven Pool waren nicht mal 7% weiblich und am Gesamtpool lag die Quote unter 5%. Ich habe dann versucht über die Jahre die Anzahl an weiblichen Interim Managerinnen in unserem Pool, der vor einem Jahr bei etwas über 2000 Mitgliedern lag, zu erhöhen.  Soweit ich mich erinnere, ist mir das aber auch nur bis zu einem Anteil von ca. 20 % gelungen. Ich bin aber zuversichtlich, dass auch im Interim Management immer mehr Frauen aktiv werden.

Speziell bevorzuge ich Frauen nicht; ich beziehe sie aber aktiv in meine Auswahl mit ein und versuche auch immer eine oder mehrere Frauen meinen Kunden vorzuschlagen. Sei es im Executive oder im Interim Bereich. An erster Stelle steht für mich die „Passung“, das heisst, dass ich den richtigen und bestens geeigneten Kandidaten meinem Kunden vorschlage, von dem ich überzeugt bin, dass er die Aufgabe lösen und die Herausforderungen bestehen kann. Und da kann es schon sein, dass ich auch nur Frauen vorschlage.

Gibt es Ihrer Erfahrung nach noch Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Managementpositionen? Wenn ja, wo liegen die grössten?

Männer und Frauen sind ja zum Glück unterschiedlich – und das ist auch gut so.

Es gibt leider heute noch zu viele Vorurteile und Stereotypen zu den Geschlechtern, die meines Erachtens immer mehr in der Realität verschwinden. Je höher z.B. die Position, umso ähnlicher sind die Geschlechter im Habitus.

Meine Erfahrung, z.B. in Besprechungsrunden ist, dass Frauen sich in der Regel nicht in der Vordergrund spielen, erstmal zusehen und abwarten; Männer übernehmen gerne das Wort und die Führung und wiederholen was eigentlich schon mehrmals gesagt wurde, nur um den Schlusspunkt setzen zu können.

Aber ebenso lassen Männer heute auch mehr Gefühle zu, was früher eigentlich nur den Frauen vorbehalten war. Ich hoffe sehr, dass in den nächsten Generationen es unwichtig sein wird, ob Mann oder Frau im Management ist. Für das hier und jetzt ist es jedoch bezeichnend, dass ich vorwiegend von der männlichen Generation 60 + Komplimente bekomme wie: „Für eine Frau, haben Sie das sehr erfolgreich aufgebaut.“ Oder so ähnlich.  Auch werden Männer nach wie vor in Bewerbungsgesprächen nie gefragt, wie sie die Kinderbetreuung lösen. Diese Frage bleibt den Frauen vorbehalten.

Persönlich bin ich große Anhängerin von gemischten Teams – und zwar nicht nur gemischt in der Geschlechterfrage.

Gab es Situationen in Ihrer Karriere, wo Sie es im Nachhinein als Mann leichter gehabt hätten?

Spontane Antwort? Nein, mir fällt keine Situation ein. Was mir einfällt sind Momente, in denen ich als Frau nicht entsprechend meiner Position wahrgenommen wurde. Z.B. wenn ich zusammen mit männlichen Vorstandskollegen auf Veranstaltungen war oder mein Partner mich auf Veranstaltungen begleitete. Da nach wie vor Männer bei den meisten Veranstaltungen weit in der Überzahl sind, gingen also diese Männer davon aus, ich sei die Vorstandsassistentin oder im anderen Fall, dass ich meinen Partner begleite. In diesen Fällen war ich keiner Unterhaltung wert, geschweige denn, dass man mich, wie die anwesenden Herren befragt hätte, was ich denn beruflich mache. Das war für die Herren einfach nicht interessant, da sie ja annahmen, ich bin die Assistenz oder schmückendes Beiwerk.  Und bitte denken Sie jetzt nicht, wahrscheinlich ist sie dann halt so aufgetreten, dass man das annehmen musste! Amüsant sind auch die vielen Einladungen, die ich adressiert an Herrn Bräuning-Ast erhalten habe oder Anrufe, bei denen ich als die Assistentin von Herrn Bräuning-Ast angesprochen wurde. Ich habe mir jeweils den Spass gemacht und mitgespielt.

Ich bin aber optimistisch, dass sich solche Situationen immer weniger abspielen werden je mehr Frauen in verantwortliche Positionen kommen und auch präsenter sind.

Was ist noch zu tun, damit Frauen in der Wirtschaft und vor allem in Führungspositionen noch stärker präsent werden?

Wichtig ist, dass Frauen sich Netzwerke schaffen. Da können wir noch einiges von den Männern lernen. Sie beherrschen das Networking aus meiner Sicht fast perfekt.

Wenn man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, Ehrenämter zu begleiten, in Verbänden aktiv zu sein und vor allem präsent zu sein, wird sich von selbst einiges ändern. Denn nur wenn man aktiv ist, lernt man Menschen kennen, die einen eventuell empfehlen oder zumindest unterstützen. Ich selbst bin als Landesverbandsvorsitzende im Verband deutscher Unternehmerinnen sehr aktiv. Mir persönlich hat der Austausch mit anderen Unternehmerinnen sehr viel gebracht – geschäftlich wie persönlich. Gerade in der Zeit meiner beruflichen Neuorientierung habe ich hier große Unterstützung, Rückhalt und manchmal einfach nur ein offenes Ohr gefunden. Ganz zu schweigen von den vielen positiven Impulsen, die ich bei Veranstaltungen im In- und Ausland bekommen habe.

Wichtig ist aber auch, dass Männer in der Bereitschaft sich mehr in der Familienarbeit einzubringen, zum Beispiel durch Übernahme der Elternzeit, unterstützt werden. Diesen Weg halte ich für eklatant wichtig. Bei der jüngeren Generation – also jünger als ich, somit unter 50 – steigt die Bereitschaft, ja sogar der Wunsch immer mehr. Ich bin da sehr optimistisch. Grenzen erfahren diese Modelle meist bei männlichen Führungskräften jenseits der 50, die solche Modelle nie gelebt haben, sich diese auch nicht vorstellen können und den Vätern, die Elternzeit nehmen, mit Argwohn begegnen und ihnen sogar Führungs- und Macherqualitäten absprechen. Ich habe oft genug solche Aussagen gehört, das sind also keine erfundenen Sachverhalte. Dies führt dann leider auch dazu, dass Kinder nach wie vor als Karrierebremse wahrgenommen werden.

Es gibt noch sehr viele Punkte, die mir hier auf dem Herzen liegen, das würde aber den Rahmen sprengen. Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich Verfechterin der Frauenquote bin, damit das Ganze etwas schneller geht und wir hoffentlich bald genauso viele Frauen in Führungspositionen und als Unternehmerinnen haben wie Männer – und einfach, dass es selbstverständlich sein wird.

Interviewpartnerin: Constance Bräuning-Ast schaut auf über 20 Jahre erfolgreiche Tätigkeit in den Bereichen Interim Management, Executive Search, Business Development und Key Account-Management u.a. bei einem der führenden Personaldienstleister zurück. Die Diplom-Kauffrau gründete im November 2018 ihre eigene Personalberatung, die Constance Bräuning-Ast Personalberatung GmbH, die sie im März 2019 umbenannte in die CBA Personalberatung GmbH.  Zuvor war sie 8 Jahre lang geschäftsführende Gesellschafterin der Personalberatung REM PLUS GmbH. Unter ihrer Regie entwickelte sich die REM PLUS zu einem der massgeblichen Interim Management Provider Deutschlands.

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