Weissman

Die Börsennotierung ist kein Widerspruch zur Tatsache, dass eine Familie die Kontrolle über solch ein Unternehmen ausübt

Das Modell »Familienunternehmen« erweist sich gerade in der komplexen, globalisierten Wirtschaftswelt des 21. Jahrhunderts als besonders erfolgreich. Die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore schreibt: »Bei einer Analyse von rund 2 500 großen und mittleren Unternehmen zeigen die Familienunternehmen durchwegs bessere Resultate bei vier Kriterien der Performance: Wachstum, Rentabilität und Stabilität, Beschäftigung, Unabhängigkeit.«

Das Phänomen, das da als Folge der Krise in die Schlagzeilen rückte, ist natürlich keineswegs neu. Auch vor dem großen Crash kam den Familienunternehmen fast überall in Europa eine große, sogar entscheidende volkswirtschaftliche Bedeutung zu, vor allem in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien, wo dieser Typ von Unternehmen zahlenmäßig bei weitem die Mehrheit repräsentiert. Viele prominente Firmennamen finden sich in dieser Liste, bei den meisten wird der allgemeinen Öffentlichkeit gar nicht bewusst sein, dass dahinter eine Familie steht. Zumindest braucht es wohl einen Augenblick des Nachdenkens, bis klar wird, dass Porsche und Oetker, Miele, Fielmann, Lavazza, Pirelli, Bertelsmann und Bahlsen nicht einfach Marken, sondern auch Familiennamen sind.
Familien stehen aber auch hinter dem Schweizermesser-Hersteller Victorinox oder den Gummibären von Haribo – der Name ist eine Abkürzung für Hans Riegel Bonn. Lego und IKEA, Barilla, Bauli oder Bulgari sind ebenso Familienunternehmen wie die deutsche Geobra GmbH, von der zwar kaum jemand den Namen kennen wird, dafür aber jedermann die Produkte, nämlich die bei Kindern weltweit beliebten Playmobil-Figuren. Falls die Sprösslinge eher Überraschungseier und die darin enthaltenen Plastikminiaturen bevorzugen: Die stammen von einem der innovativsten Süßwarenkonzerne der Welt, der so heißt wie die Familie, der er gehört, nämlich Ferrero. Das deutsche Modelabel Joop ist ebenso im Familienbesitz wie die italienische Nobelschneiderei Ermenegildo Zegna oder die spanische Textilkette Zara.Österreichische Familienunternehmen, deren Namen jedermann kennt, sind etwa Manner, Julius Meinl, der Kranbauer Palfinger, Rauch Fruchtsäfte oder die Kristallglasspezialisten Swarovski.

Die Beispiele widerlegen das weitverbreitete Klischee, wonach Familienunternehmen meist Kleinbetriebe seien, die brav und bieder in ihrer Marktnische vor sich hinwerken. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass auch in den sogenannten Nischen Global Champions agieren, die technologisch ihre Branche anführen, gibt es Familienunternehmen in jeder Größenordnung. Auch die Börsennotierung ist kein Widerspruch zur Tatsache, dass eine Familie die Kontrolle über eine solche AG ausübt – meist ist es dann eine Familienstiftung oder eine Holding, die einen für die Kontrolle ausreichend hohen Aktienanteil hält.

Genau das trifft nämlich auf die Größten unter den Familienunternehmen zu. Dazu gehört auch das Unternehmen Frosta AG. Das Unternehmen, welches heute über 1.700 Mitarbeiter beschäftigt, Marktleader in Deutschland ist, ist zu 56,5 % in Streubesitz. Aber mit 43,5 % übt die Familie Ahlers immer noch die Kontrolle über das Unternehmen aus (die Anteile gehören Dirk und Felix Ahlers). Weitere Informationen zu Frosta finden Sie hier in einem auf der Plattform Goingpublic veröffentlichten Artikel.

In vielen Ländern Europas (und nicht nur) sind die Umsatz-Champions familiengeführte Unternehmen. Börsennotierte Milliardenkonzerne stehen naturgemäß stärker im Licht der Öffentlichkeit, obwohl sich auch hier die Tatsache, dass eine Familienholding als Kernaktionär die Kontrolle ausübt, oft genug nur im Kleingedruckten der Geschäftsberichte findet.

Den Schritt an die Börse wagen deshalb nicht nur die multinationalen Konzerne sondern auch unsere heimischen Familienbetriebe.

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